H A N D E L ( 8. bis ca. 14. Jh a.D. )
In früheren Zeiten ( um 1000 a.d. )wurden die Waren in Silber bezahlt. Im nördlichen Europa gab es zu dieser Zeit noch keine Münzwährung. Münzen aus anderen Regionen wurden mit Ihrem Silbergewicht berücksichtigt.
So kam es Beispielsweise zu "Hacksilber". Von einer Münze oder einem Silberbarren wurde der erforderliche Gewichtsanteil einfach abgehackt.
Ein anderes Zahlungsmittel war zum Beispiel Silberschmuck.
Es ist kaum möglich den damaligen Silberwert oder die Warenpreise in ein heutiges Währungs- und Wertesystem zu übertragen. Eine Möglichkeit, allerdings eine weit hergeholte Methode, den Warenwert in heutiger Währung auszudrücken, die natürlich keine wissenschaftliche Grundlage hat, wollen wir versuchen.
Sie lässt aber sehr deutlich erkennen, inwieweit sich der individuelle Wert, den die Menschen damals und heute bestimmten Waren zumassen, geändert hat.
Es gab Menschen, die in einer Art Lohnverhältnis standen. Leider gibt es über die " Löhne " keine wirklich wertbaren Aufzeichnungen. Man nimmt aber an, dass ein Gehilfe, z.B. eines Schmiedes oder ein Landarbeiter in Naturalien bezahlt wurde. Ihm stand freie Unterkunft und Verpflegung zu. Und möglicherweise erhielt dieser Gehilfe zusätzlich das eine oder andere Kleidungsstück, vielleicht eine Tunika, ein paar Schuhe oder einen Mantel. Setzen wir dies einmal voraus, so könnte man ganz grob den Wert einer solchen Arbeitskraft bestimmen.
Ein durchschnittlich kräftiger Mann benötigte pro Tag vielleicht 250 gr. Getreide und ein halbes Huhn. In einem Monat würde er also 7,5 Kg. Getreide und 15 Hühner benötigen. Aus alten Buchhaltungen wissen wir, welche Ware welchen Silberwert hatte. Siehe Tabelle unten. Das entspräche nach dieser Tabelle 22,5 gr. Silber für das Getreide und 1,5 gr. Silber für die Hühner.
Hier ist schon sehr deutlich eine für heutige Verhältnisse ungewöhnliche Wertedifferenz vorhanden.
Zusätzlich erhielt unser Gehilfe vielleicht einen Mantel, dessen Wert mit 12 gr. Silber angegeben ist. Hinzu behaupten wir, der Wert für die Unterkunft beträgt 4 gr. Silber im Monat. So kommen wir auf einen Wert der Arbeitskraft von 40 gr. Silber.
Setzen wir einfach einen Nettowert einer solchen Hilfe nach heutiger Geltung mit DM 2.000,-- an, so erhalten wir einen relativen Silberpreis von DM 50,-- je Gramm. Tatsächlich kosten 100 gr. Silber heute bei einer Bank ca. 40,-- bis 45,-- DM.
Hieraus ergeben sich nun die theoretisierten DM-Preise neben den Silbergewichten.

  Gramm Silber  Mark
10 Hühner  1 50,00
1 Kg. Getreide 3 150,00
Messer 3  150,00
Schnalle 5 250,00
Zaumzeug 10  500,00
Mantel 12  600,00
Schaaf 15 750,00
Sporen 20  1.000,00
Schwein 30 1.500,00
Lanze 51  2.550,00
Schild 86  4.300,00
Steigbügel 126 6.300,00
Schwert 126  6.300,00
Schild u. Lanze 137  6.850,00
Kuh 100-137 5.000,00 und mehr
Ochse  125-137 6.250,00 und mehr
Sklavin 204 10.200,00
Sklave  306  15.300,00
Helm 410  20.500,00
Schwert mit Scheide 300-500 15.000,00 und mehr
Schwertscheide  354 17.700,00
Kettenhemd 820  41.000,00


Es lassen sich ganz deutlich die Werteverschiebungen ablesen, auch wenn die Zahlen nur hypothetisch sind.
Es war selten, dass an einem Ort alle zum Leben erforderlichen Dinge erhältlich waren. Viel wurde allerdings in Selbstversorgung beschafft. Daher wurde der " Reisende Handel " , Fernhandel,  > " TRÖPFELHANDEL " <   oder auch die "Einkaufsfahrten" der Nordmänner ein einträgliches Geschäft. Zum Umsatz dieser Waren trugen Märkte bei, die zusätzlich ein hohes Mass an sozialer Bedeutung hatten. Sie waren zum Beispiel auch Umschlagplatz für Nachrichten und Neuigkeiten aus Nah und Fern. Reisende Händler wurden auch aus diesem Grunde oft freudig begrüsst und erwartet.
Der Tröpfelhändler erwarb am Ausgangsort seiner Reise ein umfangreiches Sortiment an Waren, welches er auf seiner Reise immer wieder ergänzte um die Waren dann an den einzelnen Orten seiner Reise wieder zu verkaufen. Damit nahm die Menge der einzelnen Waren immer weiter ab, was zu ständig steigenden Preisen führte. Jeweiter eine Produktionsstätte vom Marktort entfernt war, um so weniger Stück kamen an, um so grösser war die Nachfrage; folglich war der Preis zum Ende der Reise hin ständig steigend.
Wikinger sind nicht nur auf Raubzug gefahren, sondern oft auch zum Einkauf wichtiger Waren lange Zeit unterwegs gewesen. Die Qualität der Waren spielte bereits damals eine grosse Rolle. Bestimmte Regionen Europas waren für bestimmte Waren durch Ihre Qualität besonders bekannt. Reisen über See oder über Flüsse und sogar über Land bis nach Nowgorot, Konstantinopel, Spanien und Bagdad sind heute bekannt.
In späteren Jahren gingen die Reisen auch über das Mittelmeer hinaus nach Nordafrika.
( Später Marco Polo > China ).
Irland war für Wolle, Leder und Schmuck bekannt,
Gnesdowo u. Kiew für Sklaven, Pelze, Wachs und Honig,
Konstantinopel für Seide, Brokat, Schmuck, Früchte, Gewürze und Wein,
Bagdad für Seide, Silber, Schmuck und Gewürze, Paris für Tuch, Glas und Mühlsteine,
Mainz für Schmuck, Getreide und Wein.
Waffen und Keramik aus Mitteldeutschland,
York u. London für Zinn, Wolle und Weizen,
Island für Walrossbein und Schiffstaue,
Portugal für Quecksilber.
Die Aufzählung liesse sich beliebig weiter führen.
Die Ortsbezeichnungen stehen für die REGIONEN, nicht nur für den Ort oder das Land allein.
Die Tröpfelhändler, fernreisende Kaufleute, mussten sehr Wagemutig sein. Auch Risikobereitschaft zeichnete sie aus.
Oft genug mussten sie Kampfentschlossenheit und Mut unter Beweis stellen. Nicht nur die Wikinger drohten mit Überfällen. Jegliche Form von Gesindel lauerte an den oft befahrenen Handelswegen in der Hoffnung auf eine leichte Beute.
Fahrtgemeinschaften zum Trutz waren bevorzugt. Doch auch allein fuhr so mancher Händler nur in Begleitung seiner eigenen Mannen und Gefolgsleute. Viele, weniger kampferprobte Händler, erreichten ihr Ziel nie. Sie beendeten ihre Reise und ihr Leben viel zu früh.
Auch diesen Menschen haben wir es zu verdanken, dass wir den Bedarf unseres alltäglichen Lebens auf dem "Marktplatz " um die Ecke oder gegenüber befriedigen können.
Im 900 Jh. trafen König Siegfried und Kaiser Ludwig eine Vereinbarung zum Schutze der Händler. Diese bezog sich allerdings auf die dänische Südgrenze.
Auch durften die Kaufleute wohl Schutzorganisationen aufgebaut haben.
Eine spätere, sehr ausgeklügelte und bekannte Form war die HANSE. ( Bewaffnete Horde ).
Auch die Fürsten als oberste Marktherren profitierten von der Marktbildung und dem Fernhandel ebenso, wie die Käufer , Kaufleute und Produzenten.
Nämlich durch die Erhebung von Zöllen und Abgaben.
In Mittel- und Westeuropa liessen die Fürsten Münzen prägen welche regional als einheitliches Zahlungsmittel galten, aber auch Ihren Wert in Silber beinhalteten.
In Nordeuropa war dies noch nicht der Fall. Auch überregionaler Handel führte dazu, dass als einheitliche Währung das Silber in Gewicht galt.
Das Silber wurde mit einer Balkenwaage gewogen. Haitabu (Schlei) und Dorestad ( Rheinmündung ) waren wohl die bedeutendsten Handelszentren dieser Zeit.
Der zunehmende Handel machte auch die Listenführung immer wichtiger.
Um so mehr gewann die Schrift, besonders in Nordeuropa, hier die RUNE, an Bedeutung.
Der Handel gewann einen erheblichen Einfluß auf die allgemeine und kulturelle Entwicklung.


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Mittelalter Währungen und Preise
Fernhandel im Mittelalter

Copyright © 1998 Holger M. Rohde  Deutschland. Alle Rechte vorbehalten.  
Stand: 11. Jan 1998

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